4.1.1 Ablauf der Unterrichtseinheiten aus psychologischer Sicht

Generelle Information zum Ablauf der Unterrichtseinheit aus psychologischer Sicht (Musikstunde)

Gedanken zur Planung der Unterrichtseinheiten

Jede Unterrichtseinheit sollte/muss überlegt sein.

Welche neuen, musikalischen Konzepte werde ich unterrichten, welche Lieder oder Teile davon werden wir üben, wo liegen die Schwierigkeiten usw.

TutorInnen mit weniger Erfahrung werden die Unterrichtsplanung immer wieder sehr detailliert vorbereiten, TutorInnen mit langer Erfahrung können/werden spontaner sein.

Zur konkreten Planung der Unterrichtseinheiten ist es hilfreich, die vorgeschlagenen Abläufe als Vorlage zu nehmen.

Ein konkretes Formblatt zur Unterrichtsplanung kann von der wirth music academy Homepage heruntergeladen werden.

 

Ablauf der Unterrichtseinheit (Musik Stunde)

(Effizienz, Lerntempo, …)

Lernpsychologie

Die Besetzung der Aufmerksamkeit unterliegt einem Wettbewerb im Gehirn, der durch vordefinierte assoziative Strategien beeinflusst wird. Das bedeutet, dass die Aufmerksamkeit leichter von Bereichen angezogen wird, in denen bereits assoziative Verbindungen bestehen.

Je mehr assoziative Verbindungen also zur Verfügung stehen, desto schneller werden neue Informationen aufgenommen und verarbeitet.

(Assoziative Strategien schlagen kognitive Strategien. Emotionale – unbewusst vordefinierte Regeln – übertreffen rationale Entscheidungen).

Nach einer kognitiven Lernphase wird eine assoziative Lernphase angewendet. Die Länge und Intensität beider Lernphasen sollte aufeinander abgestimmt und koordiniert werden.

 

Ablauf der Lerneinheiten – was zu beachten ist

Aufmerksamkeitsspanne

Flüchtige Aufmerksamkeit ist eine Antwort auf einen Reiz der die Aufmerksamkeit vorübergehend anzieht/ablenkt: ca. 8 Sekunden!!!

Selektive anhaltende Aufmerksamkeit, auch bekannt als fokussierte Aufmerksamkeit, ist der Aufmerksamkeitsgrad, der mit der Zeit zu nachhaltigen Ergebnissen einer Aufgabe führt.

Die meisten gesunden Jugendlichen und Erwachsenen sind nicht in der Lage, sich länger als ca. 20 Minuten durchgehend auf etwas zu konzentrieren. (jüngere Kinder 5-20 Minuten)

Im Allgemeinen können Leute sich länger auf eine Tätigkeit konzentrieren, die sie erfreulich oder wirklich motivierend finden.

Die Aufmerksamkeistsspanne verlängert sich auch dann, wenn eine Person eine Aufgabe fließend bewältigen kann, verglichen mit einer Person, die Schwierigkeiten damit hat, oder wenn dieselbe Person die Aufgabe gerade erlernt.

 

Verlängerung der Aufmerksamkeitsspanne bei Kindern:
Den Kindern einen Grund geben, aufmerksam zu sein – Kreativität ist gefordert!
Mit Körperbeteiligung arbeiten
Die Aufgabe anpassen (in kleine Einheiten zerlegen)

 

Aufmerksamkeitspausen
Ablenkungenbeseitigen
Ein Spiel daraus machen
Aufmerksames Verhalten üben

 

Kurzzeitgedächtnis
Das Kurzzeitgedächtnis (auch Primär- oder aktives Gedächtnis) ist die Fähigkeit, eine geringe Menge an Information für kurze Zeit auf aktive, schnell verfügbare Weise zu behalten, jedoch nicht zu bearbeiten. Die Dauer des Kurzzeitgedächtnisses (wenn Proben oder aktive Erhaltung verhindert werden) soll im Bereich von Sekunden liegen.

 

Langzeitgedächtnis
Inhalte im Kurzzeitgedächtnis können durch den Konsolidierungsprozess mit Proben und sinnvollen Assoziationen zu Inhalten des Langzeitgedächtnisses werden.

Physiologisch gesehen, entsteht zur Anlage eines Langzeitgedächtnisses ein Prozess von physischen Veränderungen der Neuronen Struktur (oder Nervenzellen) im Gehirn.

Vereinfacht ausgedrückt werden bei jedem Lernprozess Kreisläufe von Neuronen im Gehirn, sogenannte neuronale Netzwerke, geschaffen, verändert oder verstärkt. Diese neuronalen Netzwerke bestehen aus einer Anzahl von Neuronen, die durch spezielle Verbindungen, Synapsen genannt, miteinander kommunizieren. Durch einen Prozess, mit dem die Bildung neuer Proteine im neuronalen Netzwerk einhergeht, und durch den elektrochemischen Transfer von Neurotransmittern durch den synaptischen Spalt zu den Rezeptoren, wird die kommunikative Kraft gewisser neuronaler Netzwerke im Gehirn verstärkt.

Durch wiederholte Verwendung nimmt die Effizienz dieser Synapsen Verbindungen zu und erleichtert den Durchgang von Nervenimpulsen entlang bestimmter neuraler Netze, wobei viele Verbindungen des visuellen Cortex, des auditiven Cortex der assoziativen Bereiche des Cortex usw. beteiligt sein können.

Das Informationsverarbeitungssystem

a) Stimulus/Reiz
b) Input/Aufnahme: Prozesse befassen sich mit der Analyse der Reize
c) Speichern: Prozesse decken alles, das innerhalb des Gehirns mit den Reizen geschieht
Das kann Kodierung und Verarbeitung der Reize einschließen (Assoziationen, Variationen, …)
d) Output/Ausgabe: Prozesse sind für die Vorbereitung einer angemessenen Antwort auf die Reize verantwortlich

Serielle versus parallele Verarbeitung

Serielle Verarbeitung bedeutet, dass ein Prozess abgeschlossen sein muss bevor der nächste beginnt.
Parallele Verarbeitung geht davon aus, dass einige oder alle Prozesse in einer kognitiven Aufgabe gleichzeitig auftreten.
Es gibt Belege aufgrund von Dual-Task Experimenten, dass parallele Verarbeitung möglich ist.
Parallele Verarbeitung ist wahrscheinlich bei hochbegabten Personen häufiger.

 

Koordination von Assimilations-Sequenzen und Verarbeitungsphasen
(assimilieren: aufnehmen und voll und ganz verstehen)
Pausenzeiten (Aufmerksamkeitspausen)

Nach 45-50 min unbedingt: Entspannungsperiode (Pause…)
Wenn irgend möglich das neu Erlernte am selben oder zumindest am nächsten Tag nochmals wiederholen.

Wiederholen neuer Informationen: mindestens 4-6 Mal (mit zunehmenden zeitlichen Abständen zwischen den Wiederholungen)

 

Gedanken zur Planung einer Unterrichtseinheit zum Erlernen eines neuen Liedes

An den Kontext denken: Wer? Was? Wo? Wann? Wie und warum?

  • Wer hat die Musik geschrieben?
  • Wovon handelt sie? (Textübersetzung, Verbindungen, Zweck)
  • Wo wurde sie geschrieben und erstaufgeführt?
  • Wann wurde sie geschrieben?
  • Welche Verbindung hat sie zu mir, meiner Kultur, zu dem, was ich gelernt habe, zu meiner Aufführungserfahrung?

Musikalische Elemente:
Metrum und Rhythmus, Melodie und Harmonie, Form, Stil, Dynamik und andere

 

Aufwärmen:
Warum aufwärmen? Es etabliert die Technik, die zum Singen und alle anderen Aspekte des aktiven Musizierens einschließlich des Hörens und der der Ausgewogenheit der Stimmen nötig ist.

 

Rhythmus und Tonhöhe:

  • Elemente des Musikstücks in der Aufwärmphase einführen
  • Mit Body Percussion auf der Grundlage rhythmischer Motive des Liedes aufwärmen
  • Den Rhythmus in unserer Rhythmus Sprache sprechen (da, titi, …)
  • Kurze Phrasen des Liedes in Solfeggio singen (absolute Solmisation verwenden)

Harmonie und Form:
Übungen mit Zahlen in Akkord Struktur: 1,2,3,4,5,6,7,8 – z.B.: basierend auf 13531
Übungen mit Solfeggio oder Zahlen mit Ringkanons, um auf die Form des Kanons vorzubereiten. (Vielleicht auch einen sehr einfachen Kanon wie “Viva la musica“ einschließen):

 

Das Lied lernen: (Phrase für Phrase)

  • Den Text und den Rhythmus des Liedes sprechen
  • Eine kurze Phrase mit dem Text (vielleicht zuerst mit den Solfeggio Silben) singen
  • Zwei oder mehr Phrasen verbindenDas ganze Lied unisono üben

Die Kanon Form üben (mit zwei Stimmen beginnen, dann drei und vier)

 

4.1.2 Allgemeiner Ablauf