2.2 Entstehung und Entwicklung

Prof. Gerald Wirth hat als ehemaliger Wiener Sängerknabe selbst eine musikalische Erziehung im objektorientierten Unterricht erhalten.

Im objektorientierten Unterricht setzt man sich intensiv mit qualitativ hochwertigen Stücken auseinander und geht vom unterschiedlichen Talent der einzelnen Schüler aus. Ziel ist die Förderung der Begabung.

(Gesang-Einzelunterricht und intensiver professioneller Chorunterricht)

Diese traditionelle Unterrichtsweise wird weltweit an Instituten vorgefunden, deren primäres Ziel es ist, ein Höchstmaß an Qualität zu erreichen.

In seinem Musikstudium und während seiner Chorleitertätigkeit war er immer wieder mit einer dem objektorientierten Unterricht widersprechenden Philosophie konfrontiert: Dem subjektorientierten Unterricht.

Unter der Prämisse „jedes Kind ist musikalisch“, steht im subjektorientierten Unterricht der Spaß am Musizieren im Vordergrund, die musiktheoretischen Grundlagen wie Notenlesen sind zweitrangig.

Ein Zugang, der bei sehr vielen Kinderchören, Laienchören und Hobbymusikern zu finden ist.

Die spielerisch assoziative, aber wenig strukturierte Vorgehensweise mit ihren eher mäßigen Fortschritten, aber einer hohen Motivation, waren Ausgangspunkt einer intensiven Forschung.

Ziel war, eine Methode zu entwickeln, die das musikalische Niveau des objektorientierten Musikunterrichts mit derselben Leichtigkeit und Freude vermitteln lässt, wie im subjektorientierten Unterricht.

Prof. Gerald Wirth entwickelte Strategien und Elemente, die er ständig in seiner Funktion als Chorleiter und Kinderchorpädagoge, gemeinsam mit KollegInnen in aller Welt auf ihre Funktionalität überprüfte.

Über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren war daraus eine komplexe, umfassende, sich ständige weiter entwickelnde Systematik entstanden, die in ihrer Effizienz sowohl in individuellen als auch kollektiven Erfolgen die Erwartungen bei weitem übertrifft.

Das Ziel bestand anfangs darin, mehr Spaß und Motivation im Regelunterricht durch die Übungen selbst zu erreichen und die Motivation der Kinder nicht ausschließlich von der Leistung des Chorleiters abhängig zu machen.

Sehr bald zeigte sich jedoch, dass die Integration dieser beiden Schulen weit mehr als die Summe zweier Komponenten ergab.

Sämtliche Chormitglieder oder Workshop-TeilnehmernInnen, besonders aber Kinder, zeigten nach kurzer Zeit eine außergewöhnliche Steigerung ihrer musikalischen Auffassungsmöglichkeiten, ihres Rhythmusgefühls und des Gehörs.

Während der Proben herrschte eine entspannte, freundschaftliche Atmosphäre und gleichzeitig eine ungewohnt hohe Konzentration.

Die Lerngeschwindigkeit war, verglichen mit den üblichen Unterrichtsweisen, überraschend hoch. Auch sehr junge Kinder waren plötzlich in der Lage, komplexe Musikstücke sehr rasch vom Blatt zu singen.

 

Allgemeine Vorzüge des vermehrten, qualitativ hochwertigen Musikunterrichts:

Prima VistaSpielen oder Singen erfordert die schnelle und gleichzeitige Verarbeitung von Informationen in extremer Fülle und Dichte (Noten, Takt, Tempo, Lautstärke, Agogik, usw.).

Abstraktes und komplexes Denken sind beansprucht, auch im Voraus- und Nachhören der Musik zum gerade gehörten Takt.

Bei keiner anderen Tätigkeit muss ein Kind so viele Entscheidungen gleichzeitig treffen und diese kontinuierlich über lange Zeitstrecken hinweg abarbeiten.

Diese Kombination von konstanter und kontinuierlicher Achtsamkeit und Vorausplanung ist eine erzieherische Erfahrung von unschätzbarem Wert, zumal sich die geistige, psychische und physische Beanspruchung ständig ändert.

Durch gemeinsames Musizieren lernt man voneinander und übernimmt Verantwortung füreinander.

 

Erlernen sozialer Fähigkeiten im Chorunterricht

Während man ein Instrument übt, ist meist die Möglichkeit zur sozialen Interaktion quantitativ und qualitativ eingeschränkt.

Wird während einer Phase, in der das Kind assoziativ aufnahmefähig ist, ausschließlich instrumental gelernt, wird das Ergebnis auf die Möglichkeiten dieses Instrumentes und auf den Grad der Fertigkeiten beschränkt.

Die Beschäftigung mit dem körpereigenen Instrument Stimme lässt das Kind sich seiner selbst als autonomen Agenten verstärkt gewahr werden. Das hat einen Einfluss darauf zu erkennen, was der je andere denkt oder fühlt, und auf den Erwerb hoch differenzierter, sozialer Kompetenzen.

Das Erlebnis des gemeinsamen Erarbeitens, Zusammenhaltens, und gegenseitigen Unterstützens, lässt jedes Kind seinen eigenen Wert spüren und die Wichtigkeit des eigenen Beitrags zum Ganzen erkennen.

Um nach der wirth methodUnterricht zu erhalten gibt es keinerlei Einschränkungen nach Alter oder Talent.

Hochbegabte steigern ihr Talent und machen vermehrt Fortschritte, ohne in der Gruppe unterfordert zu werden.

Mäßig begabte werden in ihren Möglichkeiten gefördert und ihre Talente signifikant gesteigert.

Scheinbar Unbegabte erhalten erstmals die Möglichkeit, so weit an die Musik herangeführt zu werden, dass sie sich als Teil eines Ensembles empfinden und eine aktive und positive Beziehung zur Musik aufbauen können.

Eine Entwicklung der Musikalität und des Talentes ist bei jedem Kind zu beobachten.

Jeder Mensch kann singen lernen!

 

 2.3 Prof. Gerald Wirth