4.2.4 Entwicklungspsychologie und ihre Relevanz zur Chorpädagogik

Jedes Kind entwickelt sich natürlich auf seine individuelle, persönliche Art und Weise. Jedes Kind durchläuft die Entwicklungsphasen unterschiedlich, überspringt vielleicht sogar verschiedene erwartete Phasen oder verweilt länger als erwartet in einzelnen Stadien.

Die folgenden stichwortartigen Gedanken zu den entwicklungspsychologischen Erkenntnissen sollen eine Verbindung zur Chorpädagogik darstellen und diese unterstützen.

Vorschulalter (Musikalische Früherziehung):

Bis zum 3. oder 4. Lebensjahr – Fixierung auf unmittelbare Bezugsperson
Mit der ersten Trotzphase kommt die Lösung von diesen Bezugspersonen und sie suchen die Gesellschaft der Gleichaltrigen.

Mit dieser Öffnung der Wahrnehmung geht einher:

  • immense Expansion des Gestaltungswillens
  • meist auch des Leistungswillen
  • Fähigkeit zur Konzentration
  • Kinder setzen sich für eine Sache auch selbst ein

Oft nur geringe oder keine Trennung von objektiver Wahrnehmung und Phantasiewelt

Allgegenwärtigkeit der Phantasie – Fähigkeit mit einem Phantasiebild zu identifizieren

Ad Repertoire:

Gut: Kurze Lieder, die Geschichten erzählen. Kurze Lieder mit einfachen Bewegungsabläufen. Sprünge in Melodie eher vermeiden, in Mittellage beginnen.

Schwieriger: Strophenlieder ohne verbindende Handlung

Grundschulalter (6 – 9/10-jährige)

Öffnung der Kinder nach außen

Wachsende Interessenvielfalt, auch Konzentrationsfähigkeit

Allmähliches Erlernen der Fähigkeit zwischen Phantasie und Realwelt zu unterscheiden

Denken ist an Gegenständen orientiert nicht abstrakt (vgl Zahlen: nicht abstrakt sondern immer eine Ansammlung von Gegenständen wie z.B. 3 Bälle)

Das mechanische Lernen (Lernen nur durch ständige Wiederholung) ist nicht diesem Alter entsprechend. Lerninhalte können viel besser ganzheitlich durch Körperbeteiligung und Miteinbeziehung von Gegenständen oder Spielsituationen vermittelt werden anstatt nur durch das repetierende „Auswendiglernen“ dieser Lerninhalte.

Kritikfähigkeit zunächst nur gegenüber äußeren Gegebenheiten und Situationen.

Selbstkritik ist noch fremd und mit der Kritik anderer kann kaum umgegangen werden.

Bedürfnis zum Kontakt mit Gleichaltrigen nimmt zu.

Kinder haben viel Spaß an: Gemeinschaftsspielen

Ad Chorpädagogik:

Eigene Fähigkeiten können nicht eingeschätzt werden – werden of weit überschätzt.

(das erfordert viel Sensibilität von Seiten der Tutorin – nichtreflektierte Misserfolge – „Sei ruhig, du singst falsch“ – können zu einem Trauma für das ganze Leben führen.)

Mittelschulalter (10 – 14-jährige)

(Vorpubertät, Pubertät)
In der Zeit der Vorpubertät und Pubertät steht die Selbstfindung und Identitätsentwicklung im Mittelpunkt. Damit ist sowohl die Identität hinsichtlich eigener Stärken, Schwächen und Interessen als auch hinsichtlich der Geschlechterrollen gemeint. Diese Entwicklung verläuft oft konfliktreich und ist normalerweise von mehr oder weniger polarisierenden Schwankungen zwischen Allmacht- und Minderwertigkeitsgefühlen geprägt. Gleichaltrige (peers) bekommen eine wachsende Bedeutung, während Eltern, aber auch andere Autoritätspersonen wie Lehrer zunehmend kritisch distanziert betrachtet werden.

 

4.3 Aufmerksamkeit und Disziplin